Dezember 05, 2016

Under control - oder doch eher out of control?

Montagabend in Dresden- was da abläuft ist doch klar, oder?
Ein zweiter Blick lohnt sich, denn parallel zu durch Straßen ziehenden und Parolen brüllenden Menschenmassen lud das Militärhistorische Museum im Rahmen der Sonderausstellung „Achtung Spione“ zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion ein.

Zum brisanten Thema „Unter Kontrolle? Wie geheim sollen Geheimdienste sein?“ diskutierten die Bundestags- und NSA- Ausschlussmitglieder Dr. Konstantin von Notz (Bündnis 90 / Die Grünen) und Prof. Dr. Patrick Sensburg (CDU, Vorsitzender des Ausschusses) sowie der Journalist des Deutschlandradios Falk Steiner. Durch Prof. Dr. Hansjörg Geiger, seinerseits ehemaliger Präsident von BND und BfV, wurde die Gruppe der Debattierenden vervollständigt. Nach einer einführenden Rede des Direktors Prof. Dr. Rogg übernahm Geheimdienstexpertin Eva Jobs die Moderation der Veranstaltung.


Edward Snowden, das Jahr 2013 und die damit verbundenen Enthüllungen riefen nicht nur den NSA- Untersuchungsausschuss sondern zudem zahlreiche Informationen über die Arbeit, aber auch die Defizite der Geheimdienste an die Tagesordnung. Nun stellte sich die Frage, wie geheim diese Dienste innerhalb eines demokratisches Rechtsstaats sein dürfen ohne dass ihre Arbeit darunter leidet.
Vollkomme Transparenz ermögliche nicht nur der Allgemeinheit die Taten des BND zu verfolgen sondern auch jenen, die unter Beobachtung stehen, aktiv auszuweichen stellte Prof. Dr. Geiger klar. Vor allem in Zeiten des Terrors ist eine effektive und sicherheitsbringende Kontrolle ohne einen gewissen Geheimheitsgrad nicht möglich. Aber wie weit geht „gewiss“?
Einerseits wird ein Gesetz zur längeren Speicherung der Metadaten, also der Erfassung grundlegender Kommunikationsfakten, verabschiedet und damit die Gesellschaftskontrolle erhöht, aber andererseits werden extra für den Ausschuss verfasste Akten massiv mit dem Hinweis auf BND Methode gebläut (das neue Schwärzen). Inwiefern das dem Sinn der Sache entspricht bleibt fraglich. Schließlich obliegt diese Institution deutschem Recht und Gesetz dessen Einhaltung zentraler Prüfungsgegenstand ist.  

Eine Debatte über Freiheit und Überwachung ist ohne den Einbezug der Entwicklung zum gläsernen Menschen undenkbar. Wie nahe wir dem sind zeigt die Reaktion des Podiums auf eine vom Publikum gestellte Frage bezüglich der Verschlüsselung beziehungsweise Kodierung von Nachrichten. Natürlich verschlüssele man einen Großteil der Nachrichten, schließlich sollen potenzielle Hacker gleichermaßen erschwert an codierte brisante oder eben auch wenig relevante Informationen gelangen. Denn das Abhören unter Freunden sehr wohl geht und geschieht ist wahrlich eins der schlecht behütetsten Geheimnisse.  Prof. Dr. Geiger antwortete gelassen auf Abhörparanoia und verwies auf den guten alten Briefwechsel.


Mit gemischten Gefühlen über mangelnde oder übertriebene Kontrolle sowohl der als auch durch die Nachrichten- und Geheimdienste und deren Informationshunger endete diese spannende Veranstaltung. Fakt ist, dass sowohl zukünftig als auch rückblickend die Arbeit der Geheimdienste ein fragenaufwerfendes Themengebiet darstellt. 

November 18, 2016

Unsere Freiwillige in Tschechien



Ahoj!

Ich bin Sonja, bin 19 Jahre alt und habe mich dazu entschieden für ein Jahr ins Ausland zu fahren und zu sehen wie ich so zurechtkomme. Ich habe gerade mein Abitur hinter mir und musste mich nun entscheiden wie es weitergehen sollte. Ich träume schon seit langer Zeit davon im Ausland zu leben und daher war es naheliegend für mich, Deutschland zu verlassen. Bei der Suche nach einer Möglichkeit dies zu tun, durfte ich schnell feststellen, dass das sehr kostspielig werden konnte. Während Projekttagen in unserer Schule, habe ich dann vom Europäischen Freiwilligendienst erfahren. Ich hielt das für eine gute Möglichkeit ins Ausland zu kommen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Zuerst musste ich eine Entsendeorganisation finden. Das war bereits schwerer als erwartet, da manche Organisationen mir gar nicht auf meine E-Mails antworteten und andere bereits Geld verlangten bevor ich genaue Details hatte. Zum Glück meldete sich der PJR Dresden und erklärte sich bereit, mich zu unterstützen. Mein Ziel war es in die Slowakei zu kommen, da ich halb slowakisch bin und ich es daher für eine gute Chance hielt, mehr über meine Wurzeln herauszufinden. Ich habe nach langem Warten und Bewerbungen schreiben auch eine Zusage für ein Projekt in der Heimatstadt meiner Familie erhalten. Dieses Projekt wurde jedoch überraschenderweise nicht genehmigt.

Es war nur noch wenig Zeit übrig um mich bei einem neuen Projekt zu bewerben, da ich gerne im September oder Oktober beginnen wollte.

Meine Entsendeorganisation unterstützte mich nun dabei eine neue Aufnahmeorganisation zu finden. Weiterhin bekam ich noch eine private Vorbereitung auf alles Mögliche was mich denn so erwarten könnte und ich wurde über meine Rechte, Pflichten und was ich sonst noch alles über mein Auslandsjahr wissen musste, aufgeklärt. Nach langem Suchen und vielen Bewerbungen später, bekam ich eine Last-Minute-Stelle in Tschechien. Jemand war abgesprungen und ich sollte nun diese Stelle übernehmen. Dann ging alles sehr schnell und in kürzester Zeit fand ich mich plötzlich in einem anderen Land wieder. Aber der Start war kein Problem für mich, da ich ja gut vorbereitet war und meine Aufnahmeorganisation bereits jahrelange Erfahrungen mit Freiwilligen hatte.


Ich bin hier nun schon seit einiger Zeit und fühle mich sehr wohl. Ich bin zufrieden mit meiner Arbeit und ich habe unglaublich viele Freiwillige aus ganz Europa kennengelernt. Außerdem bin ich in den letzten zwei Monaten mehr gereist als in den letzten paar Jahren. Und das auch immer mit bester Gesellschaft. Auf dem Foto sieht man einen Teil unserer Gruppe an Freiwilligen bei einem Ausflug in Adršpach. Da meine Mitbewohner, so wie die meisten Freiwilligen hier, etwas älter sind als ich, habe ich auch keine Probleme damit, zum ersten Mal ohne meine Familie zu wohnen. Meine spanische Mitbewohnerin scherzt bereits darüber, dass sie eine Mutterrolle in unserer Wohnung übernommen hat. Ich sammle hier unglaublich viele Erfahrungen in so kurzer Zeit und die Tage vergehen wie im Flug. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung hierhergekommen zu sein.

Oktober 21, 2016

Pegida- das Spiegelbild der APO?!



Hallo, 
hier ein kurzer Rückblick auf eine spannende Veranstaltung, die Tobias, Svyatoslav und mich am 19.Oktober in den Landtag führte.

Unruhe auf den Straßen, provokante Banner, Parolen schallen über Plätze, ein Aufschrei in den Medien- bei manchen werden da Erinnerungen an die deutsche Geschichte wach: ist Pegida die APO von rechts?

Genau dieser Fragestellung: dem Zusammenhang zwischen Demonstrationen und zunehmender Gewaltbereitschaft widmete sich das Kulturbüro Sachsen e.V. beauftragt durch die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag seit 2014. Gestern wurden die Ergebnisse ihrer Arbeit „APO von rechts - Von der Asylfrage zur Ablehnung der Republik“ erstmals im Beisein von Dr. Tino Heim (Technische Universität Dresden, Lehrstuhl für Soziologie), Valentin Lippmann, MdL (Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Julia Schuster    und Danilo Starosta (Kulturbüro Sachsen e.V.) vorgestellt.

Von asylfeindlichen Demonstrationen der verschiedenen XX- gida Gruppierungen und Parteien ging es zur Untersuchung der Forderungspapiere Pegidas und ihrer Relevanz für die Realpolitik bis zu den befördernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen jener.

Im Jahr 2015 setzte sich Sachsen mit über 700 asylfeindlichen Veranstaltungen und 30 der insgesamt 138 Brandanschläge leider an die bundesweite Tabellenspitze dieser Gewaltakte. Vor allem die Versammlungstätigkeit der Bürgerinitiativen nahm seit 2014 zu. Mehr als 200 Veranstaltungen wurden von organisierten Neonazis angemeldet und durchgeführt. Allerdings zeichnet sich keine flächendeckende Kooperation dieser Initiativen und den rechten Parteien ab. Bei einer genauen Analyse stellte sich heraus, dass nicht nur in den alten „NPD- Hochburgen“, wie dem Landkreis Sächsische Schweiz- Osterzgebirge oder im Landkreis Leipziger Land verstärkt Veranstaltungen gegen die Asylpolitik stattfanden. Im gesamten Bundesland gab es einen traurigen Aufwärtstrend von asylfeindlichen Demonstrationen. Damit einhergehend stieg auch die Zahl der gewaltsamen Übergriffe. Viele Anmelder nehmen Bezug auf XX-gida-Formate und sehen diese als notwendigen bürgerlichen Widerstand gegen die etablierte Politik an.


Inhalte und Forderungen dieser Initiativen sind breit gefächert. Neben Gesetzesänderungen im Bereich Einwanderung und Asyl streben sie nach Entrechtung gesellschaftlicher Minderheiten. Betrachtet man die Asylrechtsverschärfung der letzten beiden Jahre mit den Pegida Forderungspapieren zeigen diese deutlich Parallelen. Inwiefern nun einen gegenseitige Beeinflussung stattfand ist fraglich. Insgesamt sind ihre angestrebten Ziele an einen Staat mit eingeschränkten Menschenrechten und einer nationalistischen Führungsidee verbunden. Ihre gewünschte Veränderung der Machtverhältnisse fordert letztlich eine Überwindung der momentanen Demokratie und eine radikale Umgestaltung. Somit hat sich aus der anfänglichen Asylproblematik eine offene Ablehnung der Berliner Republik kristallisiert.
Pegida hat eine bedenklich hohe Zustimmung in den Köpfen vieler BürgerInnen gewonnen, deren Folgen heute nur schwer abschätzbar sind.

Weitere Informationen über dieses brisante Thema sind über das Kulturbüro Sachsen e.V. sowie im erst kürzlich veröffentlichten Buch von Dr. Tino Heim („Pegida als Spiegel und Projektionsfläche") zu finden.

In nur 90 Minuten wurde ein unglaublich vielseitiger Input gegeben, der die Komplexität der Sachlage veranschaulichte. Auch die angeschlossene Diskussion bot Raum für Fragen und wies auf neue Aspekte hin. Grundlegende Inhalte, wie die Verstärkung oder Modellierung der politischen Bildung, Medienvielfalt und das Partienweisen wurden angesprochen. Eine rundum gelungene Veranstaltung, die neben ausgezeichnetem Input durch hohe Beteiligung junger Menschen für Begeisterung und neue Denkanstöße sorgte.


Liebe Grüße,
Charlott
 





September 12, 2016

Schlagabtausch beim PJR

Hallo, 
nachdem Robert am 31. August sein FSJ- Politik beendet hat, fand sozusagen ein Schlagabtausch unter uns statt. Seit Anfang September arbeite ich jetzt beim PJR in einer sehr herzlichen und angenehmen Arbeitsatmosphäre.


Kurz zu mir: ich heiße Charlott, bin 19 Jahre jung und komme aus einem kleinen Städtchen östlich von Bautzen. Im Sommer 2016 absolvierte ich mein Abitur und zog nach Dresden. Mein politisches Interesse steht eng mit der "Liebe" zu meinem ehemaligen Leistungskursfach Geschichte in Verbindung. Das scheint womöglich erstmal komisch zu erscheinen, aber mit einem Blick auf die Vergangenheit werden zahlreiche Zusammenhänge und interkulturelle Beziehungen logisch nachvollziehbar. Im Laufe meines freiwilligen Jahres hoffe mein Wissen einbringen und es in vielerlei Richtung vertiefen zu können. Der PJR biete mir wunderbare Möglichkeiten, aktiv mit Kindern und Jugendlichen auch außerschulisch zusammenzuarbeiten.


In den letzten zwei Wochen wurde ich mit den unterschiedlichsten Aufgaben von Klassenfahrtsorganisation zur Gedenkstätte Buchenwald, Recherchen zum nächsten Stoplersteinprojekt in den Herbstferien bis zur Vorbereitung der kommenden Klassenratssitzungen betraut. Besonders spannend war die Durchführung des Kommunalplanspiels letzten Freitag mit einer 9. Klasse des St. Benno Gymnasiums. Das Ganze fand fernab der schulischen Mauern im Herzen Dresdens, auf dem Theaterplatz statt. In Mitten der historischen Altstadt bot uns ein, von der "Stiftung Friedliche Revolution" aufgebauter, Pavillon Raum für unser Projekt. Zunächst noch skeptisch und von der Fülle der Information über Kommunalpolitik überschüttet schlüpften die SchülerInnen nach kurzer Zeit begeistert in ihre Rollen der Dresdner StadträteInnen. Im Endeffekt war es eine große Bereicherung und ein voller Erfolg für alle Beteiligten.


Ich freue mich sehr auf die kommenden Wochen, die mit zahlreichen neuen Aufgaben auf mich warten.


Liebe Grüße,
Charlott

September 06, 2016

Mein europäischer Freiwilligendienst

Hallo! Ich heiße Svyatoslav und ich komme aus der Ukraine. Nach Dresden bin ich erst am 1. September gekommen, um meinen einjährigen europäischen Freiwilligendienst zu absolvieren. Ich habe in der kurzen Zeit seit meiner Ankunft aber schon viele positive Eindrücke von dieser Stadt und von der Organisation bekommen. Mich hat die sehr warme Aufnahme von der Organisation und die Freundlichkeit  gefreut. Nach dem Jugendaustausch 2015 “Licht und Schatten: Was erwartet uns in Zukunft?”, den der PJR zusammen mit der Deutschen Jugend Lemberg durchgeführt hat und an dem ich teilgenommen habe, habe ich mich entschieden, dass ich was Ähnliches weitermachen will und diese Gelegenheit habe ich bekommen.

                Großes Interesse an Politik haben die Ereignisse der letzten Jahre in meinem Land in mir geweckt und dieses Thema ist auch jetzt noch besonders aktuell für mich. Eine große Rolle hat auch die Sprache Deutsch gespielt, weil es das Fach ist, das ich an der Universität studiert habe. Ich hoffe darauf, dass dieses Jahr sehr große Erfahrungen für mich bringen wird und ich meinen eigenen Horizont erweitern kann.

Juli 28, 2016

Abschied vom PJR und dem FSJ Politik

Hallo (und tschüss),

dies wird nun mein letzter Blogeintrag sein. Mein FSJ ist ab Anfang August vorbei und genau genommen schreibe ich gerade aus dem Urlaub.
Die letzten Wochen waren etwas ruhiger, denn in den Sommerferien ist immer etwas weniger los, trotz Ferienangeboten wie „Essen“ und „Rathaus Rallye“. Somit blieb Zeit, neben der Abrechnung meines Projektes „Fokus Rechtsrock“, ein paar neue Konzepte zu entwerfen oder Dinge zu überarbeiten.
Zudem fand letzte Woche die letzte Seminarfahrt statt, welche einfach großartig war. Unter dem Titel „Her mit dem schönen Leben“ haben wir uns mit verschiedenen Schwerpunkten zu den Fragen „Wie funktioniert Wirtschaft und wie wollen wir wirtschaften?“ beschäftigt. Besonders inspirierend fand ich hier den Lesekreis zu Marx und Smith, an welchen wir uns teilweise die Zähne ausbissen, sowie die Theorien zum Postwachstum. Insgesamt war das Seminar inhaltlich anspruchsvoll, jedoch nicht überladen. Vielen Dank noch einmal an das Vorbereitungsteam, falls ihr das lest.

Der Lesekreis
 Am Donnerstag fand nach einem kurzen Badetrip eine erlebnispädagogische Auswertung unseres Jahres statt. Hier haben wir an drei Stationen auf das Jahr zurück- oder auf die kommende Zeit hinausgeblickt. Dazu hatten wir die Möglichkeit im Wald eine „Landart“ zu entwerfen. Dabei sind sehr tolle Sachen herausgekommen. Mein persönliches Highlight war jedoch das Bogenschießen, was eine Leidenschaft ist, die ich immer wieder neu entdecke.
Das Beste am Seminar war jedoch Zeit mit den anderen Freiwilligen zu verbringen. Im Laufe des Jahres hatte ich die Möglichkeit viele neue Leute kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. Ich hoffe ich sehe einige aus diesem Jahrgang wieder.


Der Abschied von Ihnen sowie der im Büro war schwer, jedoch freue ich mich auch sehr auf die kommende Zeit und den jetzigen Urlaub.
Obwohl ich später in das FSJ eingestiegen bin und etwas eher wieder aufgehört habe, hat mir dieses Jahr doch viel gebracht. Ich konnte ohne entsprechende Ausbildung im Bereich der politischen Jugendbildung arbeiten und hier Verantwortung übernehmen. Ich habe meine Kolleg_innen im PJR bei ihren Projekten unterstützt und erhielt dieselbe Hilfe als ich eigenverantwortlich zwei Projekte beziehungsweise Workshops entworfen habe. Ich konnte vieles neues lernen und freue mich, dass ich auch weiterhin im Verein aktiv sein kann.
Im Büro laufen jetzt die Vorbereitungen für September, denn dann erwartet den Verein frischer Wind. Es kommen ein EFD´ler sowie eine neue FSJ-lerin. Ich bin gespannt wie es ihnen gefällt und wünsche allen eine gute Zusammenarbeit. Sicher werdet ihr von den beiden bald hier im Blog lesen.
Tut es mir bis dahin gleich und genießt den Sommer!

Liebe Grüße,

Robert :)

Juni 27, 2016

FSJ-P Projekt „Blut muss fließen“

Hallo!

Im FSJ-Politik ist es üblich, dass man als Freiwillige/r ein eigenes Projekt durchführt. Ich hatte zuerst mit Tom, dem Freiwilligen der Aktion Zivilcourage, eine Kooperation geplant. Leider musste er jedoch aussteigen. Trotzdem noch einmal vielen Dank für seine Ideen und Unterstützung.

Inhaltlich hat sich der Plan dadurch jedoch nicht geändert. Ziel war es, den Regisseur Peter Ohlendorf zusammen mit seinem Dokumentarfilm „Blut muss fließen“ – Undercover unter Nazis nach Dresden zu holen. Dieser handelt von der bisher kaum beleuchteten und beachteten Rechtsrockszene in Deutschland und Europa, welche Nazis als Treff- und Vernetzungspunkt dient. Zudem lässt sich oft ein Zusammenhang zwischen Rechtsrock und rechter Gewalt erkennen, da diese Musik mit gewaltverherrlichenden und volksverhetzenden Texten das ohnehin schon große Gewaltpotenzial der Naziszene mobilisiert und verschärft.

Peter Ohlendorf und ich bei der Aufführung im Roten Baum
Geplant waren vier Aufführungen des Filmes: jeweils eine Abendveranstaltung im Roten Baum sowie im Kinder-und Jugendhaus Gorbitz und zweimal vor Schulklassen. Der Ablauf sah wie folgt aus: Nach einer kurzen Einführung in das Thema schauten wir gemeinsam den Film. Anschließend war es möglich mit dem Regisseur ins Gespräch zu kommen. Diese Chance wurde von allen Gruppen ausgiebig genutzt. Es entspann sich ein Gespräch, welches sich mit Hintergrund- oder Verständnisfragen zum Film, aber auch mit politischen Handlungsmöglichkeiten beschäftigte. Es wurde diskutiert, wie man durch politisches, gesellschaftliches Engagement und staatliches Handeln der Nazi- und Rechtsrockszene, sowie neurechten Bewegungen den Boden entziehen kann. Hier war in Dresden besonders PEGIDA ein Thema. Dadurch dauerten die Diskussionen der Abendveranstaltungen bis zu zwei Stunden.

Besonders interessant für uns waren die beiden Schulklassen an der Waldorfschule, da das Alter der Schüler_innen genau dem unserer Zielgruppe entsprach. Rechtsrock war in diesen beiden Klassen bisher kaum bekannt. Das Feedback von ihrer Seite und auch das der Lehrer_innen war positiv. Vielleicht konnten wir manche von ihnen durch diese Veranstaltung in ihrem gesellschaftlichen und politischen Engagement bestärken.

Etwas enttäuschend waren jedoch die Teilnehmendenzahlen bei den Abendveranstaltungen. Hier fiel es uns besonders schwer Jugendliche zu erreichen. Neben verbesserungswürdiger Werbung für das Projekt, schien es als wären Politik und Freizeit für viele junge Leute schwer zu vereinen. Die schon erwähnten guten Gespräche entschädigten allerdings für diesen Dämpfer.

Insgesamt ist mein Fazit für das Projekt positiv und ich bin stolz darauf, dass es so geklappt hat. Auch hier konnte ich auf viel Unterstützung aus dem PJR-Büro bauen. Vielleicht führt jemand diese Projektidee in Zukunft weiter.

Liebe Grüße,
Robert

Gefördert wurde das Projekt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Novum (Sächsische Jugendstiftung) sowie der Stadt Dresden. Vielen Dank!